Transport und Quarantäne
Wenn ein Koi auf Reisen geht, sind einige grundsätzliche Dinge dringend zu
beachten. Der Fisch wird in einen doppelten Plastiksack verpackt, der zu
einem Drittel mit Wasser und zu zwei Dritteln mit reinem Sauerstoff gefüllt
ist. Da Sauerstofflaschen unter hohem Druck stehen, muss das Einlassen des
Sauerstoffs langsam und kontrolliert erfolgen. Starke Druckschwankungen sind zu
vermeiden, damit der Fisch keinen Schaden nimmt. Der Sack wird dann sorgfältig
mit mehreren Gummis verschlossen, damit der Sauerstoff nicht entweichen
und den Fisch in große Atemnot bringen kann. Im nächsten Schritt wird der
Plastiksack dann in einen nur wenig größeren Karton gelegt, der natürlich der
Belastung (Wasser + Fisch = schwer!) gewachsen sein muss. Zwischen Karton und
Plastiksack wird mit Papier oder Tüchern eine Abfederung eingebaut um zu
verhindern, dass der Sack rollen kann. Im Fahrzeug wird der Karton quer zur
Fahrtrichtung platziert, damit beim Anfahren oder Bremsen der Koi nicht ständig
an der Nase oder am Schwanz gestaucht wird.
Am Zielort angekommen, legt man den verschlossenen Plastiksack auf die
Wasseroberfläche des Quarantänebeckens, um einen Temperaturausgleich zwischen
Transport- und Beckenwasser zu ermöglichen. Nachdem sich die Temperaturen
angepasst haben, wird der Koi vorsichtig ausgepackt und mit dem Transportwasser
in eine Wanne gesetzt. Hier wird nun das Transportwasser durch ständiges
langsames vermischen mit dem Wasser aus dem Quarantänebecken auch im pH-Wert
angeglichen, um einen pH-Schock zu vermeiden. Durch die Quarantäne schützt man
die heimischen Koi vor einem möglichen Gesundheitsrisiko durch die Neuzugänge.
Gleichzeitig hat man im Quarantänebecken die Gelegenheit, die Ankömmlinge
langsam an die Bakterienwelt des Teichwassers zu gewöhnen. Bis zum Umsetzen in
den Teich hat man die neuen Koi im Quarantänebecken besser unter Kontrolle und
kann gegebenenfalls schnell handeln.
Wie Fange ich einen Koi,
immer wieder hört man von Problemen, die beim Einfangen eines Koi auftreten.
Die Hauptproblematik besteht darin, dass das Keschern (fangen) des Koi
unzureichend vorbereitet wird. Ebenso werden häufig falsche Geräte benutzt.
Man muss sich vorher Gedanken machen, wie und aus welchen Gründen, unter
welchen Umständen will ich den Koi herausfangen. Man fängt keinen Koi nur um
seine Länge zu messen oder ihn zu wiegen. Diesen Stress sollte man seinen Koi
ersparen. Messen, wiegen, usw. kann man Koi immer dann, wenn sie zu
Behandlungszwecken oder zum Transport gefangen werden müssen.
Wann muss man nun einen Koi fangen und behandeln? Die Erfahrung hat uns gelehrt,
dass viele Blessuren bei guten Wasserwerten und konstanten Wassertemperaturen über
18°C von einem gesunden Koi leicht selbst kompensiert werden. Man wundert sich
allerdings immer wieder, dass da wo kranke Koi sind, die Wasserwerte laut
Aussage des Besitzers alle stimmen und wenn man nach der Filterung fragt, sind
meistens erste Zweifel angebracht. Das möchte ich jetzt aber nicht mehr weiter
vertiefen.
Sollte aber eine Behandlung nicht mehr zu umgehen sein, dann stellt man sich
zuerst die Frage nach dem günstigsten Zeitpunkt. Muss man einen Koi unbedingt
bei sehr hoher Wassertemperatur fangen? Sollte ein Koi am Tag zuvor, oder gar am
Tag des Einfangens noch Futter bekommen? Ich glaube das verbietet sich von
selbst. Unter solchen Bedingungen fängt man einen Koi nur im äußersten
Notfall. Es würde auch keinem normalen Menschen einfallen bei 35°C im Schatten
nach einem üppigen Mahl einen Dauerlauf mit Sprinteinlagen zu beginnen. So
sieht aber das übliche Keschern nach Koi im Normalfall aus. Der Koi, ständig
auf der Flucht vor dem Kescher über Stock und Stein, hat nur dann eine kurze
Verschnaufpause wenn Herrchens Arme müde werden. Solche Attacken bringen
sensible Koi besonders bei hohen Wassertemperaturen in ernsthafte Lebensgefahr.
Um Koi sicher aus dem Teich herauszufangen benötigt man je nach Beschaffenheit
des Teichs zwei bis drei Leute, die auch die notwendige Geduld mitbringen. Bei
großflächigen, tiefen Teichen, kommt man nicht daran vorbei mit einem Netz zu
arbeiten. Dieses Netz muss von Teichwand zu Teichwand reichen und mit Gewichten
beschwert am Boden liegen. So wird nun vorsichtig der Teich durch Verschieben
des Netzes kleiner gemacht, bis die Koi nur noch wenige m² Platz zum Schwimmen
haben. Dann fängt man den Koi vorsichtig mit einem runden, flachen Kescher und
führt ihn behutsam dicht unter der Wasseroberfläche einem Helfer zu, der ihn
aus dem Teich herausnimmt und in die bereitgestellte Behandlungswanne einsetzt.
Ungeübte nehmen bitte zum Herausnehmen einen sogenannten Strumpfkescher, damit
der Koi auch die letzten zwei Schritte bis zur Wanne unbeschadet übersteht. Man
kann das Behandlungsbecken auch schräg in den Teich halten und den Koi mit dem
Kescher vorsichtig hineinführen. Danach hebt man die Wanne zusammen mit dem Koi
aus dem Wasser. Decken Sie bitte die Wanne vor dem Herausziehen ab, damit der
Koi nicht gleich wieder herausspringt.
Dabei ist zu beachten, dass Wasser + Wanne + Koi viel Kraft erfordern. Bei
kleineren, besser zugänglichen Teichen genügt es, wenn besagte zwei bis drei
Personen mit entsprechend großen Keschern die Räume eng machen und der Koi
wiederum mit dem runden, flachen Kescher gefangen wird.
Warum schreibe ich immer vom runden, flachen Kescher? Weil er das einzige Gerät
ist, mit dem man einen Koi relativ unbeschadet aus dem Teich fangen kann. Der
Koi kann sich ständig uneingezwängt bewegen und ist im Wasser sehr leicht zu führen.
Natürlich muss der Durchmesser des Keschers der Länge des Koi angepasst sein.
Es gibt aber auch Kescher in allen Größen, die vornehmlich von Anglern benutzt
werden. Diese Geräte haben sackförmige, tiefe Netze und allenfalls den
Vorteil, dass sie preiswert sind. Diese Kescher gehören nicht zur
Ausstattung eines Koiliebhabers! Durch diese Kescher können Koi ernsthaft
verletzt werden. Vor allem die Flossen verhaken sich manchmal so stark in den
Maschen, dass der Koi nur noch mühsam befreit werden kann. Das ist schon eine
harte Tortur für einen Koi. Manche erleiden einen regelrechten Schock bei
dieser Behandlung. Dazu kommt noch, dass größere Koi, wenn sie unten in diesem
Netzsack hängen, sich zu einem mehr als geschlossenen Ring biegen, ja man hat
den Eindruck, dass aus der Biegung schon ein Knick wird. Wenn dann der Koi auch
noch sich verzweifelnd wehrend, in dieser Haltung ein gutes Stück transportiert
wird, um dann mit Schwung in der Wanne zu landen, wo er dann aus dem Netz geschält
wird, ist er in großer Lebensgefahr. Mir sind Fälle bekannt, wo solche Fänge
mit dem Schocktod des Koi endeten. Auch glaube ich, dass der Koi sich durch die
extreme Verbiegung innere Verletzungen zuziehen kann, die hernach zum Tode führen
können.
Zum Abschluss möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass jedes Keschern,
Umsetzen und Transportieren für Koi ein großer Stress ist. Geschockte Koi
schießen zitternd und drehend wie Geschosse in den Becken oder Teichen herum
und liegen zum Schluss auf der Seite. Auch nach zu dichtem Transportbesatz kann
schon mal ein Koi in dieser Form auffällig werden. Die einzige mir bekannte
Methode solche Koi zu retten ist, den Koi blitzschnell in einen Transportbeutel
mit einem Drittel Wasser und zwei Drittel reinem Sauerstoff zu stecken, den gut
verschlossenen Beutel dann abgedunkelt lagern und mit viel Glück schwimmt der
Koi dann nach einigen Stunden wieder.
